Gesundheitsprojekte in Kalikatar und Bharta, Distrikt Makwanpur, Nepal

Die Shangrila Entwicklungshilfe (Schweiz) und Govinda eV (Deutschland engagieren sich seit mehr als 21 Jahren mit nachhaltigen Projekten in Nepal, gestützt auf ihre nepalesischen Partnervereine SIS und Shangrila Developement Association (SDA). Begonnen hat alles 1998 mit dem Aufbau und späteren Bau eines Waisenhauses, in dem aktuell 48 Kinder eine Heimat gefunden haben, es folgten Bau und Betrieb der Shangrila International School in Chapagaun (Lalitpur) für 500 Schülerinnen und Schüler, in der integrativ Kinder aus wirtschaftlich benachteiligten Familien, die über Govinda-Schulpatenschaften unterstützt werden, mit Kindern besser gestellter Familien, die in der Lage sind, ein Schulgeld zu zahlen, gemeinsam auf den Abschluss der 10. Klasse hin lernen. Und weitere Projekte kamen dazu, u.a. : Schulbauten in Westnepal, Förderung von Gehörlosen durch Schulbesuch, weitere Dorfprojekte, ein intensives Engagement unmittelbar nach der Erdbebenkatastrophe im April 2015 in Form von Ersthilfemaßnahmen und dem anschließenden Bau von 104 Familienhäusern und sechs Gemeinschaftsbauten/Schulgebäuden.

Ende 2014 gründeten junge Erwachsene der ersten Generation des Shangrila-Waisenhauses die SDA mit dem Ziel, die Entwicklung ihres Landes aktiv mitzugestalten. Auf der Grundlage von Feldbesuchen und Analysen wurde entschieden, sich in den Gemeinden Kalikatar und Bharta im Distrikt Makwanpur zu engagieren. Gemeinsam mit den Dorfbewohnern wurden konkrete Gemeindeprojekte in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Landwirtschaft erarbeitet und werden nun umgesetzt.

Das Projektgebiet Kalikatar und Bharta liegt 110km und 8-12 Fahrstunden mit einem geländegängigen Fahrzeug südöstlich von Katmandu im Mittelgebirge.

Abhängig von den Witterungsverhältnissen und der Wasserhöhe in den Flüssen muß der letzte Streckenabschnitt vom Tal auf die Berge in einem mehrstündigen Fußmarsch bewältigt werden.

 

Piste nach Kalikatar außerhalb Monsunzeit

 

zu Fuß nach Kalikatar

Mit diesen Gemeindeprojekten soll gezielt die Bevölkerungsgruppe der Chepang unterstützt werden. Bis vor rund 50 Jahren waren die Chepang traditionell als Nomaden in den Wäldern Nepals beheimatet und gehören nach wie vor zu den Volksstämmen in Nepal mit dem niedrigsten Index für Entwicklung, d.h. niedrigstem Einkommen, geringste Lebenserwartung, extrem niedrigem Bildungsstand. Die meisten Chepang besitzen keine Geburtsurkunde oder offizielle Staatsbürgerschaft und können somit kein Land erwerben; die Alphabetisierungsquote liegt unter 15 Prozent, über 90 Prozent der Chepang lebt in größter Armut, die erzielten Ernteerträge reichen oft nur für sechs Monate, danach müssen sie sich von Wurzeln und Produkten des Waldes ernähren, die Kindersterblichkeit ist extrem hoch. Durch die Gemeindeprojekte wird versucht einen nachhaltigen Beitrag zu leisten, die Armutsschwelle zu durchbrechen, die Gesundheitsversorgung zu verbessern und durch Förderung des Schulbesuchs den jungen Bewohnern weitere Lebensperspektiven zu eröffnen.

Die Stiftung Solidarität und Gerechtigkeit fördert, vorerst für drei Jahre, mit jährlich 13.020,00€ den Projektbereich Gesundheit. Hauptziele sind dabei a) die Verbesserung der Gesundheit und Hygiene auf Haushalts-, Gemeinde- und Schulebene, b) die Verringerung der Mütter- und Kindersterblichkeit, sowie c) den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen für arme Familien zu gewährleisten.

Gesundheitsprävention und Gemeinwesenarbeit erfolgt durch das monatliche Treffen von Frauengruppen in den beiden Gemeinden. Hieran nehmen neben Frauen aus dem Dorf, Mitarbeitende von SDA, des lokalen Gesundheitspostens und ehrenamtliche Gemeindearbeiterinnen teil. Ziel ist, ausgehend von den Bedürfnissen der Menschen nicht nur Aufklärung zu betreiben, sondern sich auch auf konkrete Maßnahmen zu verständigen, an deren Umsetzung sich alle beteiligen :

 

Workshop zu Gesundheitsthemen

Diese Frauengruppen und die Gemeindearbeiterinnen werden geschult und in Gesundheitsthemen wie Versorgung von Müttern und Neugeborenen nach der Entbindung, Gesundheitspflege und Hygiene eingearbeitet.

 

Schulung der freiwilligen Gemeindemitarbeiterinnen

Sie tragen dann ihr erlerntes Wissen weiter in die Gemeindebevölkerung und sorgen dadurch für einen erheblichen Multiplikatoreffekt.

 

Wissensweitergabe an Gemeindemitglieder

Wichtiger Bestandteil des Gesundheitsprojekts ist auch die Verteilung von Neugeborenen-Hilfspaketen an die werdenden Mütter; 2018 konnten knapp 20 dieser Pakete verteilt werden. Sie enthalten wichtige Materialien wie z.B. warme Babydecken und  -kleidung, Seife, Bürste, Handtücher etc.

 

Mutter mit Neugeborenenhilfspaket

Ein guter Ernährungsstatus ist eine wesentliche Voraussetzung für gesundheitliches Wohlergehen; deshalb hat das SDA-Ernährungsprogramm im Bereich Gesundheit von Beginn an einen starken Fokus auf die Unterstützung von mangel- und unterernährten Kindern und Müttern gelegt. In Kooperation mit dem Nutrition Rehabilitation Home (NRH) in Katmandu werden die Betroffen zunächst durch Screening und Untersuchungsprogramme identifiziert und bekommen dann die Möglichkeit, zur Rehabilitation an das NRH weiter geleitet zu werden. Parallel wird den Familien weitere Unterstützung  insbesondere in Form von Hinweisen über gesunde Ernährung und Hygiene angeboten. Das parallel implementierte Landwirtschaftsprogramm trägt mit dazu bei, die Ernteerträge nachhaltig zu steigern und die Nahrungsmittelversorgung zu verbessern.

Im Schul-Screening-Programm soll die Grundlage der Gesundheitsprävention durch Bildung schon im Kindes- und Jugendalter gelegt werden. Den Kindern wird dabei schon früh das wichtigste zur Körper- und Zahnhygiene vermittelt und grundlegende Hygienemittel zur Verfügung gestellt.

In Kooperation mit der Gemeindeverwaltung beteiligt sich SDA an Entwurmungsprogrammen. Dabei werden die Kinder zweimal pro Jahr mit den entsprechenden Arzneimitteln im Rahmen einer Entwurmungstherapie behandelt. Darüber hinaus wird die Arbeit der Gesundheitszentren durch kontinuierliche Fortbildung unterstützt und Hilfe bei der Verbesserung der mobilen medizinischen Betreuung geleistet.

Schließlich wird durch die Förderung seitens der Stiftung Solidarität und Gerechtigkeit ein Notfallfonds eingerichtet, um über finanzielle Mittel in medizinischen Notfällen zu verfügen, wenn die sich im Aufbau befindliche Gesundheitsinfrastruktur nicht ausreicht, um eine eingetretene Notfallsituation bewältigen zu können und ein kostenpflichtiger Krankenhausaufenthalt erforderlich ist.